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Datierung
15.10.1910
Institution
Wien, ÖStA, HHStA
Transkript
1910, Juli 9, Wien
Wien, ÖStA., HHStA. Obersthofmeisteramt, 31/C/5 Nr. 8508
Hohes obersthofmeisteramt!
Die in Ehrfurcht Gefertigte berichtet hiermit über ihre anlässlich der Besichtigung des Inhaltes und Zustandes der Hofkapellen von Salzburg und Hellbrunn gemachten Beobachtungen:
Die Hauskapelle in der Residenz ist mit einem gespannten Fußteppich, mehreren Altar- und Tabourett-Kissen, sowie einigen gepolsterten Kniebank-Auflagen ausgestattet, die seiner Zeit von den Damen Salzburgs gestickt und dem Erzbischof, Fürsten zu Schwarzenberg gewidmet worden sind. Diese in Zeichnung und Farbe vortrefflichen Stickereien sind stellenweise bereits stark abgenutzt und besonders an den Bethschemel-Auflagen in sehr schlechtem Zustand, so daß eine Wiederherstellung dringend geboten erscheint. Da diese Stickereien jedoch durchwegs in einfachem Kreuzstich auf Stramingewebe asugeführt sind und diese Technik zu ihrer Herstellung keine speziellen kenntnisse in der Stickkunst erfordert, könnte diese Arbeit von der k. u. k. Schloßverwaltung in Salzburg im eigenen Wirkungskreise vergeben werden.
An Kirchenparamenten besitzt die Kapelle 6 vollständige sehr schöne, aus dem 18. Jahrhundert stammende Meßkleid-Garnituren, bestehend in je einer Casula nebst Stola, Manipel, Kelchvelum, Bursa und Palla, und zwar eine in grün, eine in blau, zwei in rot und zwei in weiß. Von den fünf vorgeschriebenen Farben fehlt somit die schwarze und es erscheint eine rote und eine weiße Casula nebst zugehörigen Teilen als dort entbehrlich, eventuell deren Austausch gegen eine schwarze als wünschenswert.
Ausser den zum Gottesdienste in der Kapelle notwendigen Kruzifixen und liturgischen Geräten befinden sich daselbst auch einige dort niemals benützte wertvolle kirchliche Kunstobjekte, und zwar:
1.) Ein Stand-Kruzifix aus Ebenholz auf Marmorsockel, Christus aus Bronze, ein Kunstwerk von Hagenauer, dem Schöpfer der Mariensäule vor dem Salzburger Dom.
2.) Ein Standkreuz aus teilweise vergoldetem Silber, das eine in Kristall gefaßte Kreuzpartikel enthält und mit eingestrichenen smaragden, geschliffenen granaten und Bergkristallen reich geziert ist. Zu Füßen des Kreuzschaftes die kniende Figur der Mutter Gottes mit dem Schwert im Herzen aus vergoldetem Silber, am Sockel unter blauem Glas das Wappen des Erzbischofs Grafen Harrach (gestorben im Jahre 1727)
3.) Ein Altarkelch aus Silber im Stil der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit schönen getriebenen Ornamenten und 4teiliger Cuppa.
4.) Eine Tasse mit zwei Opferkännchen aus Silber, im gleichen Stil wie der Kelch reich ornamentiert, etwas schadhaft und wegen schwieriger Reinhaltung nicht bequem zum Gebrauche. Diese Stücke könnten eventuell gegen moderne einfache Geräte ausgetauscht werden.
Die Kapelle des Lustschlosses Hellbrunn enthält die notwendigen fünf Kirchenparamente mit zugehörigen Teilen in den vorgeschriebenen fünf Farben, durchaus in gutem Zustand und ohne besondern Kunstwert.
Die Kirchenwäsche beider Kapellen ist durchaus mit guten echten alten Klöppelspitzen besetzt.
Wien, am 9. Juli 1910
Hermine Bach
Schlossverwaltung Salzburg zur Äußerung
Wien am 11. Oktober 1910
Gegen die Abgabe einer weißen und einer roten Meßkleid-Garnitur obwaltet hieramts kein Anstand. Die Completierung der vorhandenen Meßkleid-Garnituren durch ein hier fehlendes schwarzes Meßkleid samt Zugehör wäre erwünscht.
Ebenso könnten die sub post 1 bis incl. 4 beschriebenen Gegenstände abgegeben werden.
Für die unter Post 4 angeführte Tasse mit 2 Opferkännchen aus Silber wäre ein Ersatz notwendig.
k. und k. Schlossverwaltung zu Salzburg und Hellbrunn,
Salzburg, am 15. Oktober 1910
Z. 417 Horak
5 Objekte
Messkännchen und Tasse
Eine Tasse mit zwei Opferkännchen aus Silber, im gleichen Stil wie der Kelch reich ornamentiert, etwas schadhaft und wegen schwieriger Reinhaltung nicht bequem zum Gebrauche. Diese Stücke könnten eventuell gegen moderne einfache Geräte ausgetauscht werden.
Transkription:
Eine Tasse mit zwei Opferkännchen aus Silber, im gleichen Stil wie der Kelch reich ornamentiert, etwas schadhaft und wegen schwieriger Reinhaltung nicht bequem zum Gebrauche. Diese Stücke könnten eventuell gegen moderne einfache Geräte ausgetauscht werden.
Standkreuz
1.) Ein Stand-Kruzifix aus Ebenholz auf Marmorsockel, Christus aus Bronze, ein Kunstwerk von Hagenauer, dem Schöpfer der Mariensäule vor dem Salzburger Dom.
Transkription:
1.) Ein Stand-Kruzifix aus Ebenholz auf Marmorsockel, Christus aus Bronze, ein Kunstwerk von Hagenauer, dem Schöpfer der Mariensäule vor dem Salzburger Dom.
Reliquiar mit einer Kreuzpartikel
2.) Ein Standkreuz aus teilweise vergoldetem Silber, das eine in Kristall gefaßte Kreuzpartikel enthält und mit eingestrichenen smaragden, geschliffenen granaten und Bergkristallen reich geziert ist. Zu Füßen des Kreuzschaftes die kniende Figur der Mutter Gottes mit dem Schwert im Herzen aus vergoldetem Silber, am Sockel unter blauem Glas das Wappen des Erzbischofs Grafen Harrach (gestorben im Jahre 1727)
Transkription:
2.) Ein Standkreuz aus teilweise vergoldetem Silber, das eine in Kristall gefaßte Kreuzpartikel enthält und mit eingestrichenen smaragden, geschliffenen granaten und Bergkristallen reich geziert ist. Zu Füßen des Kreuzschaftes die kniende Figur der Mutter Gottes mit dem Schwert im Herzen aus vergoldetem Silber, am Sockel unter blauem Glas das Wappen des Erzbischofs Grafen Harrach (gestorben im Jahre 1727)
Messkelch (ehemals profaner Trinkpokal)
3.) Ein Altarkelch aus Silber im Stil der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit schönen getriebenen Ornamenten und 4teiliger Cuppa.
Transkription:
3.) Ein Altarkelch aus Silber im Stil der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit schönen getriebenen Ornamenten und 4teiliger Cuppa.
Weiße Kasel
An Kirchenparamenten besitzt die Kapelle 6 vollständige sehr schöne, aus dem 18. Jahrhundert stammende Meßkleid-Garnituren, bestehend in je einer Casula nebst Stola, Manipel, Kelchvelum, Bursa und Palla, und zwar eine in grün, eine in blau, zwei in rot und zwei in weiß. Von den fünf vorgeschriebenen Farben fehlt somit die schwarze und es erscheint eine rote und eine weiße Casula nebst zugehörigen Teilen als dort entbehrlich, eventuell deren Austausch gegen eine schwarze als wünschenswert.
Transkription:
An Kirchenparamenten besitzt die Kapelle 6 vollständige sehr schöne, aus dem 18. Jahrhundert stammende Meßkleid-Garnituren, bestehend in je einer Casula nebst Stola, Manipel, Kelchvelum, Bursa und Palla, und zwar eine in grün, eine in blau, zwei in rot und zwei in weiß. Von den fünf vorgeschriebenen Farben fehlt somit die schwarze und es erscheint eine rote und eine weiße Casula nebst zugehörigen Teilen als dort entbehrlich, eventuell deren Austausch gegen eine schwarze als wünschenswert.

